Lichte Weite & Lichte Höhe: Fachbegriffe für das Schrank-Innenmaß

Die lichte Weite und die lichte Höhe bezeichnen das exakte, nutzbare Innenmaß eines Möbelstücks zwischen den Korpusseiten beziehungsweise zwischen Boden und Oberboden. Diese Maße sind entscheidend für die korrekte Auswahl und Montage von Innenauszügen, Schubladenführungen und Scharnieren, da sie den tatsächlich zur Verfügung stehenden Raum abzüglich aller verbauten Komponenten definieren.

Was sind lichte Weite und lichte Höhe genau?

In der Möbelkonstruktion wird streng zwischen dem Außenmaß (Korpusmaß) und dem Innenmaß unterschieden. Die lichte Weite (auch lichtes Breitenmaß) ist der horizontale Abstand zwischen der linken und rechten Schrankinnenseite. Die lichte Höhe beschreibt den vertikalen Abstand zwischen dem untersten Boden und dem obersten Fachboden oder Deckel. Hinzu kommt die lichte Tiefe, gemessen von der Korpusrückwand bis zur Vorderkante (ohne aufliegende Fronten).

Wie bei der Durchfahrtshöhe eines Tunnels gilt auch im Möbelbau: Das lichte Maß definiert den maximalen Raum. Ragt ein Bauteil in diesen Raum hinein, verringert sich das effektiv nutzbare Maß. Dies ist besonders bei der Planung von Innenauszügen hinter Drehtüren relevant.

Bedeutung für die Beschlagtechnik

Das korrekte lichte Maß ist die Grundvoraussetzung für die Funktion mechanischer Möbelteile. Ein Fehler von nur `1 mm` kann dazu führen, dass Auszüge klemmen oder Scharniere blockieren.

  • Schubladen und Auszüge: Für die Montage kompletter Schubladensysteme muss die lichte Weite exakt mit den Herstellervorgaben übereinstimmen. Die Führungsschienen benötigen einen definierten seitlichen Einbauraum. Die lichte Tiefe bestimmt zudem die maximale Nennlänge der Schubladenführungen.
  • Scharniere und Einsprung: Wenn Standard-Topfbänder / Schrankscharniere geöffnet werden, ragt die geöffnete Tür oft einige Millimeter in den Korpus hinein. Dieser sogenannte Einsprung verringert die nutzbare lichte Weite. Sollen Innenschubladen verbaut werden, müssen entweder Distanzleisten genutzt oder spezielle Weitwinkelscharniere wie Topfbänder / Schrankscharniere 155 Grad mit Null-Einsprung montiert werden.
  • Innenausstattung: Auch starre Einbauten wie ein Abtropfgestell für Wandschrank oder clevere Unterschrank Aufbewahrungen in der Küche erfordern den Abgleich mit den lichten Maßen, damit die Gitter und Körbe spannungsfrei montiert werden können.

Maße und Berechnung in der Praxis

Die Berechnung der lichten Weite erfolgt durch den Abzug der Materialstärken vom Außenmaß. Gängige Korpusmaterialien wie Spanplatte oder MDF haben in der Regel eine Stärke von `16 mm`, `18 mm` oder `19 mm`.

Berechnungsbeispiel: Ein Schrank hat eine Außenbreite von `600 mm` und Seitenwände mit `16 mm` Stärke.

  • Rechnung: `600 mm - (2 × 16 mm) = 568 mm`
  • Die lichte Weite beträgt exakt `568 mm`.

Bei der Planung der Tiefe muss die Rückwand berücksichtigt werden. Ist diese eingenutet (oft `10 mm` bis `15 mm` von der Hinterkante eingerückt), verringert sich die lichte Tiefe entsprechend. Ein typischer Korpus mit `500 mm` Außentiefe bietet dann oft nur eine lichte Tiefe von rund `480 mm`.

Verwendung & Auswahl bei der Möbelplanung

Ob ein Badezimmerschrank Mit Schubladen geplant wird oder ein großräumiger Kleiderschrank Mit Schubladen – die lichten Maße diktieren die Beschlagauswahl. Besonders bei der Nachrüstung von Kleiderschrank Zubehör wie ausziehbaren Hosenhaltern oder Kleiderliften muss vor dem Kauf zwingend das exakte Innenmaß ermittelt werden. Messen Sie stets an mehreren Stellen (oben, mittig, unten), da sich Korpusse bei unebenen Böden leicht verziehen können.

Verwandte Begriffe

  • Korpus
  • Einbaumaß
  • Einsprung
  • System 32
  • Nennlänge

Passende Kategorien

Mehr aus „Möbel-Lexikon"

Alle Artikel

Passende Produkte: Schubladensysteme

Zur Kategorie

Passende Kategorien

Zurück zum Blog