Schubladenschienen 1100 mm

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Schubladenschienen 1100 mm sind extrem lange, kugelgelagerte Teleskopauszüge aus verzinktem Stahl, die speziell für massive Korpustiefen, Sonderkonstruktionen und industrielle Lasten entwickelt wurden. Wenn anspruchsvolle Handwerker und Möbelbauer robuste Beschläge für die Schublade planen, bildet dieses Übermaß das fundamentale Rückgrat für reibungslose Bewegungsabläufe unter hohen statischen sowie dynamischen Kräften.

Konstruktive Voraussetzungen und technische Maße für 1100-mm-Schienen

Die Angabe von 1100 mm beschreibt die geschlossene Nennlänge der Führungsgarnitur. Für die exakte Korpusplanung ist zu beachten, dass die lichte Einbautiefe stets etwas größer dimensioniert sein muss als das Schienenmaß selbst. Ein Sicherheitsüberstand von 3 mm - 5 mm verhindert ein Anschlagen an der Korpusrückwand, sodass die nutzbare Mindesttiefe des Schrank- oder Rahmengestells bei mindestens 1105 mm liegen sollte.

Im Gegensatz zu leichten Möbelbeschlägen wie der klassischen Schubladenschienen Rollenführung basieren Schwerlastauszüge dieser Dimension auf präzisen Kugelführungen. Gehärtete Stahlkugeln in massiven Kugelkäfigen führen die Profile spielfrei und leiten Scherkräfte zuverlässig ab. Ein entscheidendes Kriterium für die Langlebigkeit ist das exakte Spaltmaß zwischen Korpusinnenwand und Schubladenseite (Einbauluft). Bei Profilen dieser Belastungsklasse liegt die Einbauluft standardmäßig bei 19,1 mm oder 19,5 mm pro Seite. Wird dieses Maß unter- oder überschritten, kommt es zu Verspannungen im Kugellauf, was den mechanischen Verschleiß sprunghaft erhöht.

Hinsichtlich der statischen Eigenschaften und Querschnitte unterscheiden sich die Systeme primär durch ihre Profilhöhe:

  • Profilhöhe H53 (53 mm): Gefertigt aus Stahl mit einer Materialstärke von 2,0 mm an allen Profilstufen. Diese Bauform eignet sich hervorragend für Standard-Schwerlastanwendungen und deckt Traglasten bis zu 136 kg zuverlässig ab.
  • Profilhöhe H76 (76 mm): Die verstärkte Ausführung für extreme Lasten. Dank größerer Profilstege und Wandstärken von bis zu 2,5 mm bietet sie maximale Verwindungssteifigkeit für industrielle Nutzlasten bis über 200 kg.

Funktionsmerkmale und Auswahlkriterien für Schwerlastauszüge

Wer funktionale Auszugssysteme plant oder eine spezialisierte Schubladenschiene selber bauen möchte, muss neben der reinen Belastbarkeit auch die mechanische Ausstattung präzise auf den Verwendungszweck abstimmen.

Vollauszug für uneingeschränkte Zugänglichkeit

Bei einer Bautiefe von über einem Meter ist die Auszugsvariante entscheidend. Ein moderner Schubladenschienen Vollauszug ermöglicht einen Auszugsweg von exakt 100 % der Nennlänge (1100 mm Verfahrweg). Dadurch lässt sich das gesamte Staugut bis zur hintersten Kante barrierefrei von oben und von der Seite erreichen. Ein Teilauszug, bei dem rund 25 % der Nutzlänge im Schrank verbleiben, wäre bei Tiefen jenseits von 1000 mm funktionell unzureichend.

Mechanische Verriegelung (Lock-in / Lock-out)

Insbesondere bei beweglichen Aufbauten oder mobilen Stationen sind Schienen mit integrierter Arretierung unverzichtbar. Ein stirnseitiger Verriegelungshebel sichert das Auszugspaar in zwei definierten Endlagen: im vollständig eingeschobenen Zustand (Lock-in) sowie im vollständig ausgefahrenen Zustand (Lock-out). Dies verhindert ein unkontrolliertes Aufgleiten bei Neigung oder Erschütterung.

Komfortsysteme: Dämpfung und Öffnungsmechanismen

Im Segment der Möbelbeschläge unterscheidet man klar zwischen automatischem Einzug und griffloser Bedienung:

  • Soft-Close: Schubladenschienen mit Dämpfung nutzen integrierte Flüssigkeitsdämpfer, um das Element auf den letzten Zentimetern mechanisch abzubremsen und kontrolliert heranzuziehen.
  • Push-to-Open: Schubladenschienen Push-to-Open verzichten auf Griffe und werfen das Schubkastenelement durch leichten Druck auf die Frontpartie über ein Federsystem aus.
  • Mechanischer Selbsteinzug: Konventionelle Schubladenschienen mit Selbsteinzug ziehen die Lade federbelastet ein, besitzen jedoch keine hydraulische Endlagendämpfung.

Im Bereich der 1100-mm-Schwerlastschiene dominieren bewusst ungefederte Führungsprofile, da dynamische Massen von über 100 kg herkömmliche Dämpfungseinheiten überlasten würden.

Typische Anwendungsbereiche für 1100-mm-Führungen

Unter voller Beladung gleitet ein massiver Vollauszug mit der unerschütterlichen Ruhe eines schweren Güterzuges auf Schienen und absorbiert dabei selbst ungleich verteilte Gewichte ohne störendes Verkanten. Typische Einsatzbereiche für diese Dimension sind:

  • Fahrzeugbau und Camper-Ausbauten: Im Heckausbau von Vans, Transportern und Geländewagen nutzt das Maß 1100 mm die Ladefläche hinter den Rücksitzen optimal aus. Die Ausführung mit Verriegelung verhindert gefährliche Bewegungen des Stauguts während der Fahrt.
  • Treppenunterbauten und Stauraumnischen: Bei der Erschließung des toten Raums unter Treppenläufen bieten 1100 mm lange Schienen die Basis für rollbare Podeste und deckenhohe Apothekerauszüge.
  • Werkstatt- und Lagereinrichtungen: In industriellen Werkbänken, Maschinenschränken und Schwerlastregalen lagern schwere Werkzeugformen, Aggregate oder Prüfgeräte sicher auf massiven Profilen.
  • Bühnenbau und Medientechnik: Ausziehbare Trägerplattformen für Steuerungstechnik, Mischpulte und Server-Racks mit tiefen Schrankgestellen.

Montagerichtlinien und Lastverteilung

Die dauerhafte Funktion überlanger Auszugssysteme steht und fällt mit der präzisen Montage und der Wahl der geeigneten Verbindungselemente.

Befestigungsmaterial und Verschraubung

Konventionelle Senkkopfschrauben sind für Schwerlastschienen ungeeignet, da ihr konischer Kopf die Führungslöcher aufweiten kann. Empfohlen werden Flachkopf- oder Pan-Head-Schrauben mit einem Schaftdurchmesser von 4 mm bis 5 mm. Ein TX-Antrieb (Torx) gewährleistet hierbei eine sichere Drehmomentübertragung beim Eindrehen in Hartholz, Spanplatten oder Metallprofile. Bei tragenden Metallrahmen empfiehlt sich die Durchgangsverschraubung mit metrischen M5- oder M6-Schrauben und selbstsichernden Muttern.

Ausrichtung über das Bohrbild

Das Lochbild der Führungsschienen gliedert sich in vertikale Langlöcher und feste Rundlöcher:

  1. Justagephase: Die Vorfixierung erfolgt ausschließlich über die Langlöcher. Dies erlaubt eine nachträgliche Höhenkorrektur von 1,5 mm - 2,0 mm zur perfekten Ausrichtung der Frontfugen.
  2. Endfixierung: Nach erfolgreicher Parallelitätsprüfung müssen zwingend alle tragenden Rundlöcher verschraubt werden. Nur die Passung der Rundlöcher nimmt die horizontalen Scherkräfte spielfrei auf.

Unterschied zwischen Seiten- und Bodenmontage

Die Nenntragkraft (z. B. 136 kg) gilt technisch ausnahmslos für die stehende Seitenmontage, da die Lagerkugeln hierbei ideal in den Laufbahnen greifen. Eine liegende Montage unter dem Schubkastenboden ist zwar geometrisch denkbar, reduziert die zulässige Tragfähigkeit jedoch konstruktionsbedingt um 70 % bis 80 %. Für reine Unterflurkonzepte im Möbelbereich empfehlen sich dedizierte Unterflurführungen Schubladenschienen, die jedoch für extrem hohe Industrie-Traglasten nur eingeschränkt verfügbar sind.

Spezifische Modelle im Sortiment

Für differenzierte Lastprofile und funktionale Anforderungen stehen bewährte Ausführungen zur Verfügung:

Verwandte Schienenmaße und Systemkategorien

Sollte Ihre Planung eine alternative Bautiefe oder ergänzende Beschlagtechnik verlangen, finden Sie in unserem Sortiment die passenden Maße:

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Einbauraum muss für eine 1100-mm-Schwerlastschiene pro Seite eingeplant werden?

Für 1100-mm-Schienen mit H53- oder H76-Profil müssen Sie exakt 19,1 mm bis 19,5 mm Einbauluft je Schienenseite vorsehen. Eine präzise Einhaltung dieses Spaltmaßes ist zwingend erforderlich, um ein Klemmen der Kugelkäfige oder ein Auseinanderdriften der Führungsprofile unter Belastung zu verhindern.

Wie groß muss die Mindesttiefe des Korpusses für eine 1100-mm-Schiene sein?

Die lichte Korpusinnenlänge muss mindestens 1105 mm betragen. Bei einer Nennlänge von 1100 mm im geschlossenen Zustand ist ein Sicherheitsabstand von 3 mm bis 5 mm zur Korpusrückwand erforderlich, damit der Auszug sauber und ohne rückwärtiges Anschlagen schließt.

Was bedeutet die Lock-in- und Lock-out-Funktion bei Schienen mit Verriegelung?

Die Verriegelung arretiert den Vollauszug mechanisch im komplett eingeschobenen (Lock-in) sowie im komplett ausgefahrenen (Lock-out) Zustand. Durch das manuelle Betätigen eines stirnseitigen Hebels wird die Schiene entriegelt. Dies schützt Auszüge in Fahrzeugen und Werkstätten vor selbstständiger Bewegung.

Kann die Tragkraft auch bei liegender Bodenmontage voll genutzt werden?

Nein, die angegebene Nennlast von beispielsweise 136 kg gilt ausschließlich für die stehende Seitenmontage. Bei einer horizontalen Bodenmontage verringert sich die maximale Tragfähigkeit konstruktionsbedingt um ca. 70 % bis 80 %, da die Kugelreihen die Last nicht optimal aufnehmen können.

Welche Schrauben sind für die Montage von 1100-mm-Kugelführungen geeignet?

Verwenden Sie Rundkopf- oder Flachkopfschrauben (Pan-Head) mit einem Durchmesser von 4 mm bis 5 mm und Torx-Antrieb (TX). Vermeiden Sie klassische Senkkopfschrauben, da deren Trichterform die Montagelöcher der Schiene verformen und den Kugellauf behindern kann.