Nennlänge (NL) vs. Einbaulänge: Schubladenschienen richtig messen & verstehen
Die Nennlänge (NL) einer Schubladenschiene definiert die reguläre Maßangabe des Auszugs und entspricht in der Regel der exakten Tiefe der Schublade. Die Einbaulänge hingegen bezeichnet den minimal benötigten Platz im Schrankinneren (lichte Korpustiefe). Für eine reibungslose Montage muss die Einbaulänge stets einige Millimeter größer sein als die Nennlänge.
Was ist der Unterschied genau?
Bei der Planung von Möbeln und der Montage von Schubladenführungen führt die Verwechslung von Nennlänge und Einbaulänge häufig zu Konstruktionsfehlern.
Die Nennlänge ist das Standardmaß, unter dem eine Schiene klassifiziert wird. Sie bestimmt, wie lang die Schublade selbst von der Rückwand bis zur Innenkante der Frontblende sein darf. Die Einbaulänge (oder das Einbaumaß) ist das absolute Mindestmaß, das der Korpus im Inneren an Tiefe aufweisen muss, damit die Schiene inklusive aller mechanischen Bauteile (wie Dämpfer oder Auslösehebel) physisch hineinpasst.
Man kann sich dieses Prinzip wie bei einem Schuh und dem dazugehörigen Karton vorstellen: Der Karton (die Korpustiefe) muss zwingend etwas größer sein als der Schuh (die Nennlänge), damit der Inhalt ohne Druck hineinpasst und der Deckel schließt.
Maße, Normen und typische Werte
Schubladenschienen werden in der Möbelindustrie meist in einem Raster von 50 mm gefertigt. Dies korreliert häufig mit dem System 32, der standardisierten Reihenlochung im Möbelbau.
Klassische Nennlängen beginnen bei sehr kurzen Ausführungen wie den Schubladenschienen 250 mm für Badmöbel oder schmale Konsolen. Für Standard-Küchenschränke und Kommoden kommen meist Schubladenschienen 400 mm oder Schubladenschienen 500 mm zum Einsatz. Die Differenz zur Einbaulänge beträgt je nach Hersteller und Schienentyp meist 3 mm bis 5 mm.
Beispiel: Eine Schiene mit einer Nennlänge von 500 mm erfordert oft eine lichte Korpustiefe (Einbaulänge) von mindestens 503 mm.
Schienenarten und ihr Einfluss auf die Einbaulänge
Zusätzliche mechanische Funktionen im Schubladensystem verändern den Platzbedarf im Schrankinneren:
- Vollauszug vs. Teilauszug: Ein Schubladenschienen Vollauszug lässt sich zu 100 % ausziehen. Die Mechanik (oft ein Teleskopsystem) ist komplexer, was bei einigen Modellen eine etwas tiefere Einbaulänge erfordert als bei simplen Teilauszügen.
- Dämpfung: Bei Schubladenschienen mit Dämpfung (Soft-Close) ist der Dämpfungszylinder meist im hinteren Bereich der Schiene integriert. Hier muss die Herstellervorgabe zur Einbaulänge exakt beachtet werden, da die Schiene sonst hinten an die Korpusrückwand stößt.
- Griffloses Öffnen: Schubladenschienen Push to open benötigen an der Front einen Auslöseweg von 2 mm bis 3 mm. Die Schublade muss sich also leicht nach innen drücken lassen. Diese Toleranz muss zwingend zur regulären Einbaulänge addiert werden.
- Tragkraft: Ein massiver Schubladenschienen Schwerlast Auszug (z. B. für Lasten ab 45 kg) verfügt über stärkere Materialstärken und breitere Käfige für die Kugellager, was ebenfalls die Einbautoleranzen beeinflusst.
- Führungstyp: Eine einfache Schubladenschienen Rollenführung hat andere Toleranzen als eine verdeckte Unterflurführung. Unterflurführungen benötigen oft zusätzliche Einbaulänge für die hinteren Arretierungshaken.
Verwendung & Auswahl: Richtig messen in 3 Schritten
Um die korrekte Nennlänge für ein Möbelstück zu ermitteln, gehen Monteure nach folgendem Schema vor:
- Lichte Korpustiefe messen: Das Innenmaß des Schranks von der Rückwand bis zur vorderen Kante (ohne aufliegende Front) in mm ermitteln.
- Toleranz abziehen: Vom gemessenen Wert pauschal 5 mm abziehen, um ausreichend Spielraum für die Montage und eventuelle Mechaniken zu garantieren.
- Nennlänge wählen: Die nächstkleinere verfügbare Standard-Nennlänge auswählen. Beträgt das Innenmaß beispielsweise 480 mm, abzüglich 5 mm Toleranz (475 mm), ist eine Schiene mit 450 mm Nennlänge die fachgerechte Wahl.
Verwandte Begriffe
- Lichte Korpustiefe: Der exakte Freiraum im Inneren eines Möbelstücks.
- Auszugsverlust: Die Strecke, die bei einem Teilauszug im Schrank verbleibt und nicht herausgezogen werden kann.
- System 32: Industrie-Standard für Bohrungen im Möbelbau mit einem Lochabstand von 32 mm.
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