Vollauszug, Teilauszug & Überauszug — Definition & Vergleich
Ein Vollauszug ermöglicht es, den Schubkasten zu 100 % aus dem Korpus herauszuziehen, während ein Teilauszug konstruktionsbedingt etwa 25 % im Schrank belässt. Ein Überauszug lässt sich über die eigentliche Schienenlänge hinaus ausziehen, was den Zugriff auf den hintersten Schubladenbereich maximal erleichtert.
Was bedeuten die Auszugstypen genau?
Bei der Konstruktion von Kastenmöbeln definiert der Auszugstyp, wie weit ein Schubkasten geöffnet werden kann. Diese Eigenschaft hängt direkt von der Bauart der verwendeten Schiene ab.
- Teilauszug: Die Schiene besteht in der Regel aus zwei Profilen. Beim Öffnen bleibt ein Teil der Schublade im Korpus, um die Stabilität zu gewährleisten und ein Abkippen zu verhindern. Der Auszugsverlust beträgt meist zwischen 80 mm und 100 mm.
- Vollauszug: Hier kommt ein dreiteiliges Profilsystem zum Einsatz. Wie ein Teleskopstab schiebt sich die Schiene auf die volle Einbaulänge auf. Der Anwender hat uneingeschränkten Zugriff auf den gesamten Schubladeninhalt, ohne dass die Lade im hinteren Bereich verdeckt bleibt.
- Überauszug: Diese Spezialform besitzt eine erweiterte Teleskopmechanik. Der Schubkasten fährt nicht nur bündig zur Korpusvorderkante heraus, sondern je nach Modell um weitere 30 mm bis 50 mm darüber hinaus.
Auszugsarten und Führungssysteme
Die Art des Auszugs ist eng mit dem verwendeten Führungssystem verknüpft. Die Mechanik bestimmt die Laufruhe und die Belastbarkeit.
- Kugelführung: Stahlkugeln in einem Kugelkäfig sorgen für die Bewegung. Dieses System wird sehr häufig für Schubladenschienen als Vollauszug eingesetzt, da es hohe Lasten aufnehmen kann und eine exakte Seitenstabilität bietet.
- Rollenführung: Kunststoffrollen laufen in epoxidbeschichteten Stahlprofilen. Diese Bauweise ist technisch simpler und wird klassischerweise für den Teilauszug verwendet. Passende Modelle finden sich im Bereich der Schubladenschienen mit Rollenführung.
- Unterflurführung: Die Schiene wird verdeckt unter dem Schubladenboden montiert. Sie bietet eine unsichtbare Optik und wird sowohl als Teil- als auch als Vollauszug gefertigt. Weitere Details bietet die Kategorie Unterflurführungen für Schubladenschienen.
Maße, Tragkraft und technische Normen
Bei der Planung müssen die Einbaulänge (Nennlänge der Schiene) und die Tiefe des Korpus übereinstimmen. Die Längenstaffelung erfolgt in der Möbelindustrie meist in Schritten von 50 mm. Gängige Maße für Standardkorpusse sind Schubladenschienen in 400 mm, Schubladenschienen in 500 mm sowie Schubladenschienen in 600 mm.
Die Tragkraft gibt an, welches Gesamtgewicht (Schublade inklusive Inhalt) das Schienenpaar im ausgezogenen Zustand dynamisch aufnehmen kann. Standardauszüge tragen meist 25 kg bis 30 kg. Für Werkstattwagen oder tiefe Topfauszüge in der Küche sind Schubladenschienen für Schwerlast zwingend erforderlich, da diese für Belastungen von 45 kg, 80 kg oder sogar über 100 kg ausgelegt sind.
Zusatzfunktionen: Dämpfung und Öffnungsmechanismen
Moderne Führungssysteme werden häufig mit zusätzlichen mechanischen Funktionen ausgestattet, die den Bedienkomfort erhöhen. Hierbei ist strikt zwischen zwei entgegengesetzten Mechanismen zu unterscheiden:
- Soft-Close: Eine integrierte Öldruckdämpfung fängt den Schwung der Schublade beim Schließen ab und zieht sie auf den letzten Zentimetern sanft und geräuschlos zu. Dies wird oft mit Schubladenschienen mit Dämpfung realisiert.
- Push-to-Open: Ein Auswurfmechanismus für grifflose Fronten. Ein leichter Druck auf die geschlossene Schubladenfront spannt eine Feder, die den Schubkasten anschließend ein Stück aufstößt. Solche Schubladenschienen mit Push-to-Open lassen sich konstruktionsbedingt nicht mit einer regulären Soft-Close-Dämpfung kombinieren, da der Druckpunkt zum Auslösen einen harten Anschlag erfordert.
Verwendung & Auswahl: Welcher Auszug für welches Projekt?
Die Wahl des Auszugstyps richtet sich nach der Korpustiefe und dem Einsatzzweck. Ein Teilauszug reicht für flache Schreibtischschubladen oder kleine Nachtkästchen völlig aus. Sobald der Korpus jedoch tiefer als 400 mm ist, wird der Vollauszug zum technischen Standard, um den toten Winkel im hinteren Bereich der Lade zu vermeiden. Überauszüge werden primär in Hängeregistraturschränken oder speziellen Maschinenmöbeln verbaut, bei denen Werkstücke von oben per Kran entnommen werden müssen.
Verwandte Begriffe
- Einbaulänge
- System 32
- Tragkraft
- Kugelführung
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