Kröpfung bei Topfbändern — Bedeutung für den Türaufschlag
Die Kröpfung bei einem Topfband bezeichnet die Biegung des Scharnierarms. Sie bestimmt maßgeblich den Türaufschlag, also wie die Schranktür im geschlossenen Zustand zur Korpusseite positioniert ist. Je nach Ausmaß dieser Biegung lassen sich Möbeltüren als Eckanschlag, Mittelanschlag oder Innenanschlag realisieren.
Was ist die Kröpfung genau?
Bei der Konstruktion von Kastenmöbeln stellt das Topfband die bewegliche Verbindung zwischen der Schrankseite (Korpus) und der Tür her. Während der Scharniertopf in eine Bohrung in der Tür eingelassen wird, wird der Scharnierarm auf eine Montageplatte an der Korpusinnenwand geklippt oder geschraubt.
Die Form dieses Scharnierarms ist nicht immer gerade. Die gezielte Abwinklung des Metallarms wird in der Beschlagtechnik als Kröpfung bezeichnet. Sie verhält sich mechanisch wie ein maßgeschneiderter Hebelarm, der den Drehpunkt verlagert und die Schranktür auf einer fest definierten Kreisbahn exakt an der Korpusseite vorbeiführt. Durch die Wahl der passenden Topfbänder / Schrankscharniere mit der entsprechenden Kröpfung definiert der Monteur, wie viel Stirnfläche der Schrankseite von der geschlossenen Tür verdeckt wird.
Arten der Kröpfung und der resultierende Türaufschlag
In der Möbelfertigung werden primär drei Ausführungen unterschieden, die sich in ihrem Maß in Millimetern und ihrem Einsatzzweck unterscheiden.
0 mm Kröpfung: Der Eckanschlag
Ist der Scharnierarm völlig gerade und weist keine Biegung auf, spricht man von einer 0-mm-Kröpfung. Diese Bauform wird für den Eckanschlag (auch aufliegender Anschlag genannt) verwendet. Die Tür liegt im geschlossenen Zustand fast vollständig auf der Stirnseite der Korpuswand auf. Es verbleibt lediglich eine minimale Fuge, damit sich die Tür beim Öffnen nicht an der Seitenwand verklemmt. Passende Kategorie: Topfbänder Eckanschlag
9,5 mm Kröpfung: Der Mittelanschlag
Weist der Scharnierarm eine mittlere Biegung auf (typischerweise rund 9,5 mm), ist das Scharnier für den Mittelanschlag (auch Zwillingsanschlag oder halb aufliegend) konzipiert. Diese Variante kommt zum Einsatz, wenn zwei benachbarte Türen an einer einzigen, mittleren Korpuswand (Mittelwand) befestigt werden. Jede Tür verdeckt dabei nur etwa die Hälfte der Stirnseite, sodass in der Mitte ein Spalt für die Bewegungsfreiheit beider Türen bleibt. Passende Kategorie: Topfbänder Mittelanschlag
16 mm Kröpfung: Der Innenanschlag
Bei einer starken Biegung des Scharnierarms von meist 15 mm bis 17 mm handelt es sich um Beschläge für den Innenanschlag. Hierbei liegt die Tür nicht auf der Stirnseite des Korpus auf, sondern schlägt bündig zwischen den Seitenwänden im Schrankinneren ein. Die Stirnseiten des Möbelstücks bleiben somit bei geschlossener Tür vollständig sichtbar. Passende Kategorien: Topfbänder Innenanschlag sowie Topfbänder Innenliegende Türen
Maße, Normen und typische Werte
Die Wahl der richtigen Kröpfung geht stets mit weiteren technischen Parametern des Scharniers einher. Für Standard-Möbeltüren wird in der Regel ein Topf-Durchmesser von 35 mm gebohrt. Bei der Planung des Türaufschlags muss neben der Kröpfung auch die Dicke der Montageplatte (Distanz) berücksichtigt werden, da diese das Fugenbild feinjustiert. Passende Kategorie: Topfbänder 35 mm
Der Öffnungswinkel ist unabhängig von der Kröpfung wählbar. Für klassische Schranktüren im Wohn- und Küchenbereich greifen Schreiner häufig auf Topfbänder / Schrankscharniere 110 Grad zurück. Moderne Ausführungen integrieren zudem einen Dämpfungszylinder im Scharnierarm, unabhängig davon, wie stark dieser gekröpft ist. Diese Technik, bekannt als Soft-Close, fängt die Schließbewegung sanft ab. Passende Kategorie: Topfbänder / Schrankscharniere mit dämpfung (Soft Close)
Verwendung & Auswahl bei der Montage
Für die korrekte Montage ist die Plattenstärke des Korpus (meist 16 mm, 18 mm oder 19 mm) entscheidend. Der Schreiner berechnet den gewünschten Türaufschlag und wählt die Kröpfung entsprechend aus.
Nach der Montage lässt sich das Fugenbild über die Stellschrauben am gekröpften Scharnierarm in drei Dimensionen (Tiefe, Höhe, seitliche Auflage) im Bereich von meist +/- 2 mm nachjustieren. Bei der Planung von Schubladen hinter innenliegenden Türen muss die starke Biegung des Innenanschlag-Scharniers beachtet werden, da der Scharnierarm in den lichten Korpus ragt und mit Auszügen kollidieren könnte.
Verwandte Begriffe
- Montageplatte / Kreuzplatte
- Topfbohrung
- Fugenbild
- System 32
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