Topfband Bohrbild Ø 35 mm: System 32, Lochabstand & Kompatibilität

Ein Topfband mit einem Bohrbild von 35 mm ist der branchenweite Standard für Möbeltüren, dessen Montageplatte exakt auf das Raster des System 32 abgestimmt ist.

Wer im Möbelbau Schranktüren fertigt, repariert oder austauscht, wird unweigerlich mit verdeckten Scharnieren konfrontiert. Die Auswahl des passenden Beschlags erfordert präzise Kenntnisse über Maße, Lochabstände und die geometrischen Vorgaben des Korpus. Ein falsches Maß führt unweigerlich zu kollidierenden Türen oder fehlerhaften Fugenbildern. Dieser Ratgeber liefert die technischen Spezifikationen und Kriterien, um das exakt passende Scharnier für das jeweilige Möbelprojekt zu bestimmen.

Die wichtigsten Kaufkriterien für das 35-mm-Bohrbild

Um die Kompatibilität zwischen Tür, Korpus und Beschlag sicherzustellen, müssen mehrere technische Parameter exakt übereinstimmen.

Der Topfdurchmesser

Der Standard für nahezu alle modernen Küchenschränke und Kleiderschränke ist die Topfbohrung mit einem Durchmesser von 35 mm. Diese Größe bietet ausreichend Platz für die integrierte Mechanik und gewährleistet eine hohe Tragkraft der Tür. Für leichtere, kleine Türen (beispielsweise bei Badmöbeln) existiert eine kleinere Variante mit 26 mm, die jedoch seltener verbaut wird. Bei der Neuplanung oder dem Austausch greift der Fachmann in der Regel auf Topfbänder 35 mm zurück.

Das Bohrbild und der Lochabstand

Das Bohrbild definiert die Position der Befestigungsschrauben am Scharniertopf. Das Bohrbild ist der genetische Fingerabdruck des Beschlags – stimmt der Abstand nicht exakt mit der Vorbohrung in der Tür überein, lässt sich das Scharnier nicht sauber verschrauben. Die gängigsten Bohrbilder (Abstand der Schraubenlöcher / Abstand der Löcher zur Topfmitte) sind:

  • 45 / 9,5 mm: Häufig bei Beschlägen von Blum.
  • 48 / 6 mm: Der Standard bei Salice.
  • 52 / 5,5 mm: Typisch für Hettich-Systeme.

Das Topfabstandsmaß (C-Maß)

Das C-Maß bezeichnet den Abstand zwischen der Kante der Topfbohrung und der Außenkante der Möbeltür. Dieser Wert liegt je nach Hersteller und gewünschter Fuge meist zwischen 3 mm und 7 mm. Das C-Maß beeinflusst maßgeblich, wie weit die Tür den Korpus überdeckt.

Anschlagarten: Die Position der Tür zum Korpus

Die Geometrie des Scharnierarms bestimmt, wie die Tür im geschlossenen Zustand auf der Korpusseite aufliegt. Hier wird strikt zwischen drei Typen unterschieden:

1. Eckanschlag (Aufliegend)

Beim Eckanschlag liegt die Tür nahezu vollständig auf der Stirnseite der Korpuswand auf. Bei einer Standard-Spanplatte mit 19 mm Stärke verbleibt lediglich eine minimale Fuge zur Außenseite, damit die Tür beim Öffnen nicht schleift. Der Scharnierarm ist bei dieser Variante gerade (ungekröpft). Entsprechende Topfbänder Eckanschlag sind die Standardlösung für freistehende Einzelschränke oder die äußeren Türen einer Schrankwand.

2. Mittelanschlag (Halb aufliegend / Zwillingsanschlag)

Teilen sich zwei Türen eine einzige Korpusmittelwand (beispielsweise bei einem durchgehenden Kleiderschrank), kommt der Mittelanschlag zum Einsatz. Die Tür überdeckt die Stirnseite der Mittelwand nur zur Hälfte (ca. 7 mm - 9 mm), sodass auf der verbleibenden Fläche die zweite Tür Platz findet. Der Scharnierarm ist hier sichtbar gekröpft. Für diese Konstruktion werden Topfbänder Mittelanschlag benötigt.

3. Innenanschlag (Innenliegend)

Beim Innenanschlag schlägt die Tür nicht auf den Korpus auf, sondern liegt bündig zwischen den Korpusseiten. Die Stirnseiten der Schrankwände bleiben bei geschlossener Tür vollständig sichtbar. Der Scharnierarm ist stark gekröpft. Diese optisch reduzierte Variante erfordert Topfbänder Innenanschlag, die auch als Topfbänder Innenliegende Türen bezeichnet werden.

Öffnungswinkel und kinematische Eigenschaften

Der Öffnungswinkel definiert den maximalen Radius, in dem die Möbeltür aufschwingt. Die Wahl hängt stark von der Raumsituation und dem Innenleben des Schrankes ab.

  • 110° (Der Standard): Für normale Küchen- und Wohnzimmerschränke sind Topfbänder / Schrankscharniere 110 Grad die Regel. Sie ermöglichen einen komfortablen Zugriff auf Einlegeböden.
  • 155° bis 165° (Weitwinkel): Wenn im Schrankinneren Schubladen oder Auszüge verbaut sind, muss die Tür komplett aus dem lichten Maß des Korpuses herausschwenken. Hierfür nutzt man sogenannte Null-Einsprung-Scharniere oder Topfbänder / Schrankscharniere 165 Grad.
  • Spezialwinkel: Für Eckschränke, Dachschrägen oder spezielle Korpuskonstruktionen gibt es abgewinkelte Lösungen, wie beispielsweise Topfbänder / Schrankscharniere 90 Grad.

Dämpfung vs. Push-to-Open

Moderne Beschläge verfügen über eine integrierte Dämpfung im Scharnierarm oder Topf. Die Soft-Close Technologie bremst die Tür auf den letzten Zentimetern sanft ab und zieht sie leise zu. Topfbänder / Schrankscharniere mit dämpfung (Soft Close) sind der heutige Standard im Möbelbau. Wichtig: Dämpfung darf nicht mit Tip-On (Push-to-Open) verwechselt werden. Push-to-Open-Systeme erfordern Scharniere ohne Zuhaltung (ohne Feder), damit die Tür durch den mechanischen Druckstift aufspringen kann. Ein gedämpftes Scharnier würde gegen den Push-to-Open-Mechanismus arbeiten.

Welches Scharnier für welchen Fall? (Entscheidungshilfe)

  • Wenn Sie eine Standard-Küchenschranktür austauschen, die auf der Seitenwand aufliegt, dann benötigen Sie ein Topfband mit Eckanschlag, 110° Öffnungswinkel und 35 mm Topfmaß.
  • Wenn Sie einen Kleiderschrank planen, bei dem sich zwei Türen eine Mittelwand teilen, dann ist zwingend ein Mittelanschlag (stark gekröpft) erforderlich.
  • Wenn Innenschubladen verbaut werden, die beim Herausziehen nicht an der geöffneten Tür schleifen dürfen, dann greifen Sie zu einem 155°- oder 165°-Weitwinkelscharnier mit Null-Einsprung.
  • Wenn Sie grifflose Fronten realisieren wollen, dann wählen Sie Scharniere ohne Federung kombiniert mit einem separaten Druckschnäpper.

Einbau-Hinweis: Montage nach System 32

Die Montageplatte des Scharniers wird im Korpus befestigt. Im professionellen Möbelbau erfolgt dies streng nach dem System 32.

Benötigtes Werkzeug:

  • Forstnerbohrer 35 mm (für den Topf)
  • Holzbohrer 5 mm (für Euroschrauben der Montageplatte)
  • Akkuschrauber
  • Anschlagwinkel und Gliedermaßstab

Aufbauschritte:

  1. Topfbohrung fräsen: Mit dem Forstnerbohrer wird auf der Türinnenseite eine Sacklochbohrung (Ø 35 mm) gesetzt. Die Tiefe beträgt typischerweise 11,5 mm bis 12 mm. Das C-Maß (Abstand zur Kante) liegt meist bei 4 mm bis 5 mm.
  2. Montageplatte setzen: Die Kreuzmontageplatte wird im Korpus verschraubt. Nach System 32 liegt die erste vertikale Lochreihe exakt 37 mm von der vorderen Korpuskante entfernt. Der vertikale Abstand der Bohrlöcher zueinander beträgt 32 mm.
  3. Anklippen und Justieren: Bei modernen Clip-Scharnieren wird der Scharnierarm werkzeuglos auf die Montageplatte geclipst. Anschließend erfolgt die 3D-Justierung über die Stellschrauben am Scharnierarm: Höhe, Seite (Fugenbild) und Tiefe (Abstand zum Korpus).

FAQ – Häufige Fragen zum 35-mm-Topfband

Warum ist 35 mm das Standardmaß für Topfbänder? Ein Durchmesser von 35 mm bietet die optimale Balance aus mechanischer Stabilität, ausreichender Materialstärke der Möbeltür und genügend Bauraum für integrierte Dämpfungssysteme im Scharniertopf.

Kann ich ein Scharnier mit 45 mm Bohrbild gegen eines mit 52 mm tauschen? Der 35-mm-Topf passt in beiden Fällen in die Fräsung. Die seitlichen Schraubenlöcher stimmen jedoch nicht überein. Sie müssten die alten Löcher verschließen und neue vorbohren, um ein Ausreißen der Spanplatte zu verhindern.

Wie erkenne ich, ob ich einen Eckanschlag oder Mittelanschlag brauche? Messen Sie die Überdeckung der Tür bei geschlossenem Schrank. Überdeckt die Tür die Seitenwand fast vollständig (ca. 15 mm - 17 mm), ist es ein Eckanschlag. Überdeckt sie die Wand nur zur Hälfte (ca. 7 mm - 9 mm), handelt es sich um einen Mittelanschlag.

Sind alle 35-mm-Scharniere mit meiner alten Montageplatte kompatibel? Nein. Obwohl der Topfdurchmesser genormt ist, variiert die Geometrie des Scharnierarms und der Clip-Aufnahme je nach Hersteller (z. B. Blum, Hettich, Salice). Scharnier und Montageplatte müssen immer vom selben System stammen.

Was bedeutet die Angabe „TH 52“? Diese Bezeichnung verweist auf ein spezifisches Bohrbild. Das T steht für Topfband, das H oft für den Hersteller (z. B. Hettich) und 52 für den Lochabstand von 52 mm zwischen den Befestigungsschrauben am Topf.

Passende Produktkategorien für Ihr Projekt

Um das richtige Bauteil für Ihre spezifische Montagesituation zu finden, navigieren Sie direkt zu den entsprechenden Beschlag-Typen. Eine vollständige Übersicht aller Varianten finden Sie in der Hauptkategorie Topfbänder / Schrankscharniere.

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